Rekonstruktion eines Wasserrades
Prof. Dr. Friedrich H. Balck, Institut für Physik und Physikalische Technologien, TU-Clausthal
Aufwältigung und Rekonstruktion eines Wasserrades im Rammelsberg
Über mehrere Jahrhunderte bis in den Anfang des 20. Jahrhunderts dienten
Wasserräder im Harzer Bergbau für die Erzförderung und als
Antrieb f ür die Pumpen. Erst später wurden andere Antriebsmethoden,
wie Dampfkraft und Elektroenergie, eingesetzt.
Durch J.C. Röder wurde am Rammelsberg seit 1767 ein Programm
geplant und umgesetzt, welches eine rationelle Betriebsgestaltung zum Inhalt
hatte. Als Kernstück seines Programms, welches nach jahrzentelanger
Arbeit im Jahre 1805 im wesentlichen vollendet war, gilt die ökonomisch
sinnvolle Nutzung der Wasserkraft. Wegen des vergleichsweise geringen Gefälles,
welches zur Verfügung stand, war die Planung dieses komplexen Systems
ausgesprochen schwierig.
Danach floß das Wasser aus dem Herzberger Teich über
eine Kaskade von mehreren Rädern, um über den Rathstiefsten Stollen
wieder abgeleitet zu werden.
In dem nach J.C. Röder benannten Stollen existieren heute
noch das zweite und dritte Rad in dieser Kette, das zum Serenissimorum
Schacht gehörende Kehrrad zum Fördern der Erze und das 1. Kunstrad
zum Antrieb der Wasserpumpen. Beide Räder sind nahezu vollständig
erhalten und für die Besucher des Rammelsberger Bergbaumuseums zugänglich.
Wenn ein Wasserrad zwei gegenläufige Schaufelreihen besitzt,
nennt man es Kehrrad. Es kann in der Drehrichtung umgekehrt werden, je
nachdem welche Schaufelreihe man mit Wasser beaufschlagt.
Das am Oberen oder Ersten Wasserlauf liegende oberste Wasserrad
war ein solches Kehrrad und diente zur Förderung des Erzes im Kanekuhler
Schacht. Seine mittlere Leistung betrug mehrere (ca. 4) Kilowatt. Die Begrenzung
ergab sich aus dem Zwang, sparsam mit dem Wasser umzugehen, da die Zuflüsse
zum Teich durch die natürlichen Niederschädge vorgegeben waren.
Diese Kehrradstube war seit ihrer Außerbetriebstellung um
1910 verschlossen worden. Nur selten verirrten sich Beschäftige des
Bergwerks in diesen Grubenraum. Bereits in den 20er Jahren ordnete das
Bergamt die sichere Verwahrung dieser Radstube an, da Einsturzgefahr vom
Wasserrad ausging. Im Jahre 1945 waren der Radstuhl und das Kehrrad zusammengebrochen.
Von der einstigen gewaltigen Holzkonstruktion war im Jahre 1994
nur noch ein Trümmerhaufen übriggeblieben. Die eine Seitenwand
der Radstube drohte einzustürzen. Im dem Wassertrog - dies ist die
Mulde, auf deren oberem Rand die waagerechte Radachse gelagert ist - befanden
sich Holzreste vom Rad und Gesteinsschutt.
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Das zerbrochene Kehrrad liegt im Wassertrog, in der Mitte ein Hauptarm,
rechts davon Teile der beiden Schaufelkränze, am rechten Bildrand
das Fundament für das Wellenlager Die drei verbundenen Meßbänder
mit dem Stab bilden den Meßzeiger des Vermessungssystems TRIGOMAT. |
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Für die künftige Einbeziehung dieser Radstube in den Besucherrundgang
des Museums mußte sie gesichert und der Trog aufgewältigt werden,
um Platz für eine Neukonstruktion zu schaffen.
Im wesentlichen waren drei Hauptaufgaben zu lösen:
Sicherung der Decke (Firste) der Radstube
Sicherung der Wand (des Stoßes) zur Korbstube und
Aufwältigung des Wassertroges.
Die ersten beiden Aufgaben wurden schnell gelöst. Die Radstube
war damit wieder erschlossen und mögliche Gefahrenpunkte für
eine spätere Nutzung beseitigt. Die Aufwältigung des Wassertroges
jedoch gestaltete sich als äußerst schwierig und zeitaufwendig.
Nach der Aufwältigung einer ca. 1.5 Meter starken Schieferschicht
kamen mit Eisensulfat verkrustete Holzteile zum Vorschein. Die Dokumentation
der weiteren Arbeiten wurden in Zusammenarbeit mit dem Institut für
Denkmalpflege Hannover, dem Institut f ür Angewandte Physik der TU
Clausthal und dem Bergbaumuseum vorgenommen. Es bestand das Ziel, die Dokumentation
eines Denkmals vor der Zerstörung vorzunehmen, d.h. die räumliche
Lage der Fundstücke im Wassertrog rechnergestützt und fototecnisch
festzuhalten, um daraus Informationen für eine spätere Rekonstruktion
verwenden zu können. Die Dokumentationsarbeiten gestalteten sich im
Verlauf der Realisierung als schwierig, da das Holz größtenteils
torfartig zerfallen und von verkrustetem brauen Eisensulfat durchsetzt
war. Der untere Teil des Troges, dem eigentlichen Schleiftrog, stand bis
zu 1.5 Metern im Wasser. Schichtweise arbeiteten sich die Bergleute in
die Tiefe. Jede Schicht wurde kartiert und fototechnisch aufgenommen. Für
die Kartierung der Funde diente das System TRIGOMAT, das schon seit einigen
Jahren in der Montanarchäologie verwendet wird: Ein System von drei
elektronisch auslesbaren Meßbändern wird um das zu zeichnende
Objekt (am Rand des Wassertroges) befestigt. Die Meßbandanfänge
werden mit einer Zeigespitze verknotet. Führt man die Zeigespitze
über den zu kartierenden Gegenstand, so kann der angeschlossene Rechner
aus der Lage der Befestigungspunkte und den drei aktuell gemessenen Bandlängen
die Koordinaten der Zeigespitze errechnen. Während der Arbeit entsteht
auf dem Bildschirm ein Abbild der umfahrenen Stücke, das später
in beliebigem Maßstand und aus jedem Blickwinkel, da 3D gemessen
wird, auf Papier ausgegeben werden kann. Dieses Meßsystem ist für
derart schwierige und schmutzige Bedingungen gut geeignet. Die Zeigespitze
und die Meßbänder aus Edelstahl haben die rauhe Behandlung im
Schlamm und unter Wasser problemlos überstanden. Insgesamt wurde so
in sechs Arbeitsschritten der Trog aufgewältigt. Auf dem Grund des
Schleiftroges erfolgte dann eine überraschung. Im Schlamm eingebettet
lagerte hier der Rest des Rades. Von der großartigen Holzkonstruktion
ist ungefähr noch ein Fünftel des Radkranzes komplett erhalten
mit Teilstücken von vier Radarmen. Dieser Rest des Rades befindet
sich in einem sehr guten Erhaltungszustand. Die Konstruktion des Kehrrades
mit zwei gegenläufigen Schaufelreihen und viele konstruktive Details
sind klar erkennbar.
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| Während der Aufwältigung, vollständig erhaltener Teil
des Rades (etwa 1/5 vom Umfang ) mit zwei Stümpfen der Hauptarme.
Es werden gerade die Bretter freigelegt, die die Rückseite der Radschaufeln
bilden. Die Schaufeln sind darunter noch im Schlamm versteckt. |
Teil des Rades, hinten links ein Hauptarm, davor die rückwärtigen
Bretter der Radschaufeln, lose aufliegend ein Teil des Radkranzes, drei
miteinander verbundene Laschen mit den Auskerbungen für die zwei Hölzer
(Schaufel und Riegel) der Wassertaschen |
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Das Holz hat durch den Einfluß des Wassers die Zeit gut überstanden.
Von dem Fundamentholz (Grundrahmen) der Tragekonstruktion (Radstuhl) für
die Wasserzuführung, die Bremseinrichtung und das Steuersystem sind
noch Fragmente an ihren ursprünglichen Stellen zu finden. Von der
Achse (üblicherweise Eichenholz 0,6 x 0,6 m Querschnitt) wurde kein
Bruchstück gefunden, da das Holz nicht in der schützenden Umgebung
des Wassers gelegen hatte. Zwei Original-Doppelkrummzapfen wurden geborgen.
Die leicht beweglichen Fundstücke, Hölzer und Metallteile, wurden
bei der Bergung eingemessen und gekennzeichnet. Sie lagern zur Zeit auf
einer Bühne am Rande des Wassertrogs. Das gesicherte Stück des
Radkranzes befindet sich noch an seinem urspr|nglichen Platz. Nach der
Schaffung eines untertägigen Zwischenlagers soll es dort fachgerecht
eingelagert werden.
Versuch der Rekonstuktion
Aufbau eines Kehrrades
Der grundsätzliche Aufbau eines Kehrrades ist in alten Dokumentationen
z.B. Villefosse (Atlas de la richesse minirale, Paris 1819) so gut beschrieben,
daß man nach diesen Vorlagen ein neues Rad bauen könnte. Jedoch
zeigt das Studium an den noch existierenden Rädern im Harz (Samson,Andreasberg;
19-Lachter-Stollen, Wildemann; Serinissimorum, Rammelsberg) und den Unterlagen
und Modellen (z.B. Zeche Dorothea) im Oberharzer Bergbaumuseum in Zellerfeld,
daß jedes Rad deutlich die Handschrift seines Erbauers trdgt. Die
Stellung der Schaufeln, die Anfasung der Schaufelspitzen, die Verbindung
der Hauptarme im Bereich der Achse, der Winkel zwischen Haupt- und Sticharm
und die Form der Schwalbenschwdnze zwischen Radarm und Radkranz unterscheiden
sich deutlich voneinander. Auch bei der Bauform zeigten sich zwei Typen.
Die eine, welche bei C. Calövr ( Historisch - chronologische Nachricht
... des Maschinenwesens 1763) beschrieben ist, wurde bis ca. 1860 verwendet,
die andere, nach der das heutige Kanekuhler Kehrrad gefertigt worden ist,
wird sächsiche Bauart genannt. Ein originalgetreuer Nachbau (1:1)
der Calövrschen Bauart wurde von H.H. Nietzel auf dem Freigelände
des Kaiser-Wilhelm-Schachtes in Clausthal errichtet (H.H. Nietzel, Historisches
Kunst- und Kehrrad....., 1993). Der Unterschied in der Bauart liegt im
Wesentlichen im Bereich der Achse, an der Stelle, wo die Kraft von den
Armen auf die Welle übertragen wird. Bei den Rädern nach der
Calövrschen Bauart ist der Bereich um die Achse sehr viel schwächer
ausgebildet was kürzere Betriebsdauern (etwa 10 Jahre) zur Folge hatte.
Die bei den sächsischen Rädern geänderte Konstruktion erlaubte
eine längere Gebrauchsdauer und wurde 1861 vom Oberbergamt für
Neubauten (Nietzel) zwingend vorgeschrieben. Auf der einzigen alten Zeichnung
aus dem Jahre 1821 ist das Kanekuhler Kehrrad zunächst in der Calövrschen
Bauart ausgeführt. Der Befund heute zeigt jedoch die sächsische
Art. Die Zeichnung veranschaulicht die Konstruktion und die Funktion des
Rades mit der Kraftübertragung auf den Seilkorb über vier Treibstangen.
Der Seilkorb, auf dem die beiden Förderseile auf- bzw abgewickelt
waren, befand sich etwa 9 Meter entfernt etwas oberhalb des Wassertroges.
Die Trennung zwischen Rad- und Seilkorbachse brachte jedoch Vor- und Nachteile
mit sich: einerseits konnte die Radachse kürzer sein, die Teile waren
besser zu wechseln, das Seil kam mit dem Wasser nicht in Berührung.
Andererseits sank wegen der zusätzlichen Lager der Wirkungsgrad. Die
noch vorhandenen Räder in der Grube Samson und im 19-Lachter-Stollen
zeigen die vermutlich bessere Lösung mit einer gemeinsamen Achse för
das Rad und das Seil. Später um 1882 wurde bei einer umfangreichen
Reparatur, die durch eine Aktennotiz belegt ist, das Rad in sächsischer
Bauart erstellt.
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Anordnung der Arme wie bei Calvör beschrieben, 1763 |
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Anordnung der Arme in der sogenannten sächsische Bauart (nach
1860 im Harz) |
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Heute findet man zwei Formen der sächsichen Bauart. Sie unterscheiden
sich in den Details um die Welle in der Ausführung der Viertelstücke,
die "sächsiche" Bauart im Harz, |
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... und die Bauart in Freiberg (Sachsen). |
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Fakten für die Rekonstruktion des Rades
Radkranz:
Da ein Rad im Bereich des Kranzes einen hochsymmetrischen Aufbau besitzt,
kann aus dem erhaltenen Fünftel der gesamte Schaufelbereich rekonstruiert
werden. Die Funde (Anzahl der Schaufeln pro Lasche und der Schaufelabstand)
belegen, daß das Rad 72 Schaufeln und einen Durchmesser von 7,6 m
gehabt hat. Die Schaufeln sind an jeder Seite in einen hölzernen Doppelkranz
eingesteckt. Bei zwei Schaufelreihen besitzt ein Kehrrad drei derartige
Doppelringe, zwei jeweils außen und einen in der Mitte. Jeder Ring
besteht aus einem Satz von 16 Holzbrettern, sogenannten Laschen. Die Trennfugen
der Laschen in den beiden Ringen sind um eine halbe Laschenlänge gegeneinander
versetzt. Die Laschen wurden in ihrer Form so bearbeitet, daß sie
Segmente eines Kreisringes bilden. Beide Ringe wurden jeweils mit Holznägeln
verbunden. Die Kraftübertragung von den Schaufeln zur Achse und die
Abstützung des Radkranzes übernehmen auf jeder Seite 16 Radarme
(Speichen). Diese Arme (Nadelholz ca. 0,2m x 0,2m) sind an dem äußeren
Kranz durch Schwalbenschwänze mit den Laschen verbunden und zusätzlich
mit diesen mit quer durch das Rad gehenden Eisenstangen verschraubt. Die
Wassertaschen bilden ein winkelförmiges Gebilde, das aus zwei Brettern,
der Schaufel und dem Riegel, besteht. Den Boden der Wassertaschen bilden
Bretter, die von innen an die drei Laschenkränze genagelt wurden.
über diese mit hölzernen Einsatzfedern abgedichteten Bretter
erhält der mittlere Laschenkranz zwischen den beiden Schaufelreihen
seine Stabilität.
Konstruktionsdetails am Radkranz
Bereich um die Achse:
Der Vergleich einserseits zwischen den gefundenen Holzresten mit ihren
Bearbeitungsspuren und andererseits den schriftlichen Angaben und noch
erhaltenen Rädern im Harz, brachte genügend Informationen, um
den Verbund der Arme untereinander und die Umfassung der Achse schlüssig
konstruieren zu können. Es ergibt in der Seitenansicht zwei Paare
von durchgehenden Hauptarmen, die im rechten Winkel überblattet sind,
vier Paare von Sticharmen im Winkel von 450 zu den Hauptarmen und je vier
sogenannte Viertelstücke, die parallel zu den Hauptarmen den Bereich
um die Achse verstärken und die Sticharme miteinander verbinden. Die
Viertelstücke sind mit den Hauptarmen und die Hauptarme untereinander
in der überblattung so miteinander verzahnt, daß das die Achse
umschließende Viereck besonders stabil wird. (Die überblattung
weicht um 5 Grad vom rechten Winkel ab.) Eine derartige Versteifung ist
erforderlich, da das Rad auf der Welle mit Keilen zwischen Achse und Viereck
einerseits zentriert und andererseits festgesetzt wurde. Ein Wasserrad
muß entsprechend stark dimensioniert sein, da die Belastung, die
bei einem Störfall (plötzliches Blockieren der Erztonne im Schacht
und vollaufen aller Radschaueln mit Wasser) auftreten konnte, um fast eine
Größenordnung stärker ist als die im Normalbetrieb auftretenden
Kräfte
Bremse:
Auf der Radachse befand sich ein zweites, etwas kleineres, Rad, das mit
Hilfe von zwei von außen angreifenden hölzerenen Backen als
Bremse gedient hat. Diese Bremse war erforderlich, um den Seilkorb beim
Beladen und Entleeren der Erztonne zu halten. Unter den Funden gibt es
ein aus drei Segmenten zusammengesetztes, gebogenes Holzteil mit Biegeradius
von ca. 2,3 m. Der noch im Wassertrog befindliche Grundbalken, auf dem
die beiden Bremsbäume unter der Bremse zusammengehalten wurden, deutet
auf einen Bremsraddurchmesser von ca. 4,6 m hin. Das im Jahre 1835 neu
eingebaute Bremsrad hatte nach den Akten 16 Fuß Durchmesser und drei
Laschen Breite (1Fuß=29.2 cm ) .Der Durchmesser betrug demnach 4.67
Meter, was die Vermutung bestätigt. Kurbelzapfen: Zur Kraftübertragung
wurden in die Wellenenden auf beiden Seiten sowohl beim Rad als auch beim
Seilkorb, gegossene Doppelkurbelzapfen in einen Schlitz eingesetzt und
mit auf die konischen Wellenenden aufgeschlagenden Eisenringen festgehalten.
Jeder Doppelkurbelzapfen besaß drei zylindrische Lagerflächen,
eine zum Tragen der Welle und zwei für die Treibstangen, und hatte,
wie das in Zellerfeld ausgestellte Museumsstück, vermutlich ein Gewicht
von ca. 450 kg. Die Kräfte in den Treibstangen konnten bis zu 160kN
(entsprechend 16 Tonnen Last) betragen. Achsauflagen: Das eigentliche Achslager,
eine Halbschale aus Gußeisen, war in einen hölzernen Lagerklotz
eingearbeitet, der wiederum mit einem Schwalbenschwanz in die den Wassertrog
umschließenden Holzbalken eingesetzt war. Im Bereich unter der Achse
ist der Rand des Wassertroges mit glatt behauenen Sandsteinen ausgemauert.
Bühne mit Steuerung: Zum Antrieb des Rades mit Wasser befand sich
über dem Rad eine hölzerne Bühne, von der aus das Wasser
- über je einen Schieber gesteuert - über zwei Sch|tze entweder
in die eine oder andere Schaufelreihe geleitet werden konnte. Die Bedienung
der Schieber, sowie die der Bremse, geschah über ein Hebelgestänge
aus großer Entfernung vom Schacht her. Auf diese Weise wurde die
Anlage vom Schacht ferngesteuert. Zum Verstellen der Auftreffstelle des
Wassers auf die Radschaufeln (Zeichnung) war der Neigungswinkel der Schütze
für das Wasser vermutlich wie beim benachbarten Serenissimorum-Kehrrad
mit dem Steuergestdnge gekoppelt. Auf diese Weise konnte das Wasser zum
Antrieb auf den oberen Teil und zum Bremsen etwas tiefer auf die Schaufeln
gegeben werden. Optimale Bremswirkung erlangt man, wenn das Wasser unten
eingefüllt und durch die Bewegung des Rades nach oben befördert
wird. Dagegen hat das Rad einen guten Wirkungsgrad zum Antreiben, wenn
das Wasser möglichst in die höchsten Schaufeln eingef|llt wird.
Beginn der Baumßnahmen
Nach Ausschreibung und Vergabe der Arbeiten für den Nachbau an die
Mühlenbaufirma Schumann aus Mulda (Erzgebirge) wurde der erste Bauabschnitt
(das Kehrrad) Ende Oktober 95 begonnen. In einer Zeit von etwa 7 Wochen
waren die Teile so weit vorgefertigt, daß sie per Lastwagen nach
Goslar geschafft werden konnten. Hier erfolgte dann der Zusammenbau in
der Radstube mit 5 Arbeitskräften in 8 Tagen. 14 Tonnen Holz wurden
vor der "Mauselochöffnung" der Radstube abgeladen und vorsichtig hineinbugsiert.
Allein die Welle mit den eisernen Kurbelzapfen wog drei Tonnen.
Das neue Rad während der Bauphase
Auf Wunsch und Anregung des Bezirkskonvervators Prof. Roseneck ist ein
Teilelement aus Plexiglas gefertigt, damit die Besucher einen Einblick
in eine Wasserradschaufel haben, und sehen, wie sie sich füllt und
entleert. Zugleich signalisiert das Plexiglas dem Besucher: Es handelt
sich um einen Nachbau. Aus dem gleichen Grunde wurde der Grundrahmen nicht
aus Holz sondern aus verzinktem Stahl gebaut. Bereits nach diesem Bauabschnitt
zeigt die gewaltige Konstruktion, welchen Aufwand unsere Vorfahren treiben
mußten, um die Erztonnen zu förden. Ein Wasserrad war für
die Bergleute vor hundertfünfzig Jahren die einzige für die Verhältnisse
im Rammelsberg praktikable Möglichkeit eines Antriebs. Heute würde
man diese Aufgabe mit einem Elektromotor erledigen, der bequem in den Kofferraum
eines PKWs paßt.
In weiteren Bauabschnitten werden demnächst die anderen Teile folgen:
Seilkorb mit Welle, Treibstangen, Bremse, Bühne mit Wasserkasten.
Danach können die Besucher ein funktionsfähiges Wasserrad im
Betrieb erleben und dessen Funktion nachvollziehen.
Verfasser: Dr. Friedrich Balck Institut für Physik und Physikalische
Technologien, www.pe.tu-clausthal.de/agbalck
,Technische Universität Clausthal
Thilo Ziegler, Rammelsberger Bergbaumuseum GmbH Goslar, www.rammelsberg.de
( E-Mail : friedrich.balck@tu-clausthal.de,
)
Abbildungen
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Das zerbrochene Kehrrad liegt im Wassertrog, in der Mitte ein Hauptarm,
rechts davon Teile der beiden Schaufelkränze, am rechten Bildrand
das Fundament für das Wellenlager Die drei verbundenen Meßbänder
mit dem Stab bilden den Meßzeiger des Vermessungssystems TRIGOMAT.
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Während der Aufwältigung, vollständig erhaltener Teil des
Rades (etwa 1/5 vom Umfang ) mit zwei Stümpfen der Hauptarme. Es werden
gerade die Bretter freigelegt, die die Rückseite der Radschaufeln
bilden. Die Schaufeln sind darunter noch im Schlamm versteckt.
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Teil des Rades, hinten links ein Hauptarm, davor die rückwdrtigen
Bretter der Radschaufeln, lose aufliegend ein Teil des Radkranzes, drei
miteinander verbundene Laschen mit den Auskerbungen für die zwei Hölzer
(Schaufel und Riegel) der Wassertaschen
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Gegenüberstellung der Bauarten:
a) Anordnung der Arme wie bei Calövr beschrieben, 1763,
b) Anordnung der Arme in der sogenannten sächsische Bauart (nach
1860 im Harz)
Heute findet man zwei Formen der sächsichen Bauart. Sie unterscheiden
sich in den Details um die Welle in der Ausführung der Viertelstücke,
c) die "sächsiche" Bauart im Harz,
d) die Bauart in Freiberg (Sachsen).
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Konstruktionsdetails am Radkranz
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Das neue Rad während der Bauphase
(c) 2002 F. Balck, IPPT, TU-Clausthal, friedrich.balck@tu-clausthal.de
www.pe.tu-clausthal.de/agbalck
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